Der Blarze Schwock
"Münsters gefährlichster Nebenwiderspruch"
"Münsters
gefährlichsten Nebenwiderspruch" (Junge
Welt) gibt
es seit Ende 1997. Gegründet wurde das vierköpfige
Kabarettensemble eigentlich ... gar nicht!
Denn als 1998,
Uni-Streik, Besetzung des Soziologie-Institutes und die heroischen
Ein-, und Angriffe hochpolitisierter Studierender gegen ein
"Soldaten sind Mörder"-Transparent vor dem Schloß (dem
architektonisch eindrucksvollsten Truppenübungsplatz der
Bundesrepublik!) glücklich überstanden, der Blarze Schwock im
Rahmen der Veranstaltungsreihe des Infoladen Bankrott zum ersten Mal
die Bretter der Baracke betrat, dachte noch niemand an
"bleibende Werte". Schon gar nicht im Kabarett. Laut ging
es zu , fröhlich und spontan. Wir hatten ganz einfach all die
widerspenstigen, witzigen oder skurrilen Einfälle zusammengetragen,
die uns im Laufe der vergangenen Jahre gekommen waren, wenn das
Wetter in Ahaus zu schlecht, das Flugblatt zu langweilig oder die
Stimmung auf dem Plenum zu gut war. Spott und Lästerung als Hygiene
für Herz und Hirn - das wurde unser erstes, bühnentaugliches
Kabarettprogramm.

Der Erfolg war ... nun, ähem ... überwältigend. Wir jedenfalls
ließen uns überwältigen. Oder was hättet ihr getan nach so einer
Kritik? "Ein toller Abend aus der Reihe "Anarchistische
Theorie und Praxis", an dem sich gezeigt hat, daß Politik auch
Spaß machen kann und die Herren der Szene nicht nur über sich
selbst lachen, sondern auch mit ihren selbstgemachten Texten voll
ins Schwarze treffen können. Ganz große Klasse und absolut
fortsetzungswürdig!" (APOPLEX).
Daß das Gelächter von damals, das wir als nährendes Manna mit
uns heim trugen, mindestens so sehr unseren Personen wie unserer
Darbietung gegolten hatte ("Mein Gott! Das trauen die
sich?!"), begannen wir erst spät und häppchenweise zu
begreifen. Da waren wir aber schon in Düsseldorf, Wuppertal, Moers,
Bielefeld, Hannover, Dresden, Berlin, Halle, Bremen, Mannheim und
werweißwosonstnoch gewesen, hatten das Wendland gemeinsam mit den
"Roving Bottles" bespielt, zwei Sketche für das Radio
aufgenommen und in der Frauenstraße 24 in Münster den vielleicht
schönsten Erfolg unseres bisherigen Kleinkünsterlerdaseins
gefeiert, gefolgt von einem weiteren wunderbaren Auftritt auf der
briefmarkengroßen Bühne der Frankfurter Wagenburg.
Heute
ist egal, ob wir damals (seligen Gedenkens, schnief!) an- oder
ausgelacht worden sind. Der Blarze Schwock ist mittlerweile ein
bühnenerfahrenes Kabarettensemble mit einem abendfüllenden
Programm geworden. Gegenwärtig präsentieren wir unser drittes
Programm "Ab jetzt gibt's Comedy!". Nur Kabaretta, unsere
treue aber schon recht mitgenommene Kleiderpuppe, die meistens
duldsam im Kofferraum hockte, bis sie - jeden Abend auf's Neue - im
Zugabenteil des Programms "Fischer, friß misch net" von
tollwütig gewordenen Knüppelschwingern in Uniform verprügelt
wurde, genießt inzwischen ihren wohlverdienten Ruhestand und wurde
durch Katrin ersetzt.
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Der Blarze Schwock ist anarchistisches Kabarett nicht nur auf,
sondern auch hinter der Bühne. Es gibt bei uns keinen Leiter,
keinen Regisseur, keinen Einpeitscher, Vorturner oder Trainer. Alle
machen alles - und sich gelegentlich das Leben schwer, versteht
sich. Aber welche Polit-Kombo würfe hier den ersten Stein ... na?
... na? Wer nicht spielen muß, darf inszenieren - oder umgekehrt,
nach Gusto.
Es ist so viel geschrieben und gestritten worden über das, was
politisches Kabarett bewirken oder nicht bewirken kann, daß wir uns
mit einem schlichten Bekenntnis am Schluß begnügen wollen: Wenn
Menschen aus unserer Vorstellung hinausgehen mit einem Lächeln im
Gesicht - über sich selbst, über die Ungerechtigkeit der Welt, den
Widerstand an sich oder die lästige Tatsache, in einer halben
Stunde schon wieder zum Plenum in den Infoladen zu müssen, - wenn
wir also für anderthalb Stunden den Frust hinaus, - und den Spaß
hineinlassen, hineinlachen konnten, haben wir unsere Arbeit gut
gemacht ... naja: hoffentlich!
Blarz! Wir haben geschwockt!
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